The suffering of Siddharta

Such random words as these in uttering!
Thou mak’st an arrow quiver in my heart. [1]

Siddharta Gautama's family and friends

It is a muggy morning just before sunrise. The man had tossed and turned in his clammy sheets and could not sleep any longer. He rolls to the edge of the bed and sits up. He palms his hands against his temples as he remembers the evening and the night. Twenty young women, beautiful as celestial nymphs, had danced for him and the guests from yesterday’s evening on [2].

Drunk with the intoxication of life, he must have fallen asleep just after midnignt. The man rubs his eyes with the palms of his hands and stares, still blind, into the darkness. He gropes for the light and lights a candle.

As he looks around, he is dismayed: men and women surround him; they lie next to and on top of each other, sleeping. Ssome with their bodies wet with trickling phlegm and spittle; some grinding their teeth, and muttering and talking in their sleep; some with their mouths open; and some with their dress fallen apart so as plainly to disclose their loathsome nakedness. The richly decorated hall reminds him of a desert corpse field. His existence seems to him like a burning house [3].

"You must break the chains by now," a voice yells inside him.
The spot he is sitting in becomes unbearably hot. The man is jumping up and flees the place.

He shivers past the bodies and finds his way to his chamber. With trembling hands he packs eight things: Robes, three in all, a bowl for alms, a razor, needle, and a belt, and water-strainer [4].

The escape is more tempting than the life he wants to leave behind.
He quietly closes the door behind himself and takes a look into the bedroom of his wife, who holds the head of the newborn in her hands. [5]. "No! Now I will not hold my son in my arms one last time – my wife would wake up and would be able to hold me back: That may not be…". Are you asleep, Yasodhara , really?

The man wants to leave the house. The dark spirit of doubt[6]
tries to hold him back. "Can’t I turn back? All the pain I cause? All the comforts I have? Giving up everything – for what?" Sweat beads run down his forehead, again a shudder and swindle all over his body overcomes him. "No – it has to be…", and with the power of an elephant [7] he opens the door [8] auf.

Without looking back [9] he tosses his luggage over his shoulder and walks towards the rising sun.

His family – the Gautama family [10] – had called the man "Siddharta" after his birth 29 years ago – "He has reached his goal", that would be our translation.
"Siddharta Gautama" – this is the man’s full name: "He has reached his goal and is leading the flock".
It seems his name did not bring him the promised success until he was 29 years old.

Siddharta had grown up in the household of an Indian "Raja". Although this title is often translated as "king", the father’s position is more comparable to the president of a German governmental district [11].
The father, Suddhodana Gautama, has specific ideas about what his son should become. He would like to see Siddharta succeed him as regent.

TRANSLATION IN PROGRESS

„Ich möchte meinen Sohn sehen, wie er über die von zweitausend Inseln umgebenen vier Erdteile die Herrschaft, die Gewalt, die Regierung ausübt...“ [12]

Suddhodana Gautama

Siddharta erlebte seine Kindheit und Jugend als herrschaftlich:

„Ich lebte in Vornehmheit, äußerster Vornehmheit, völliger Vornehmheit. Ich hatte drei Paläste, für jedes Wetter einen. Ich aß das vornehmste Essen und trug die vornehmsten Kleider. Von Geburt an war ich umgeben von den schönsten Frauen und den stärksten Männern…" [13]

Der Palast bot Vornehmheit – und scheinbare Sicherheit. Für Siddharta jedoch war die Vornehmheit nur ein Umhang, der jederzeit von ihm genommen werden konnte – und alle würden die Angst und den Zweifel sehen, die sich des Kindes früh bemächtigt hatten.

Es war damals gewesen, als Siddharta zum ersten Mal neben seinem Vater sitzen durfte: Der Regent schaute seinen lieben Sohn an, umarmte ihn, setzte ihn auf seinen Schoß und ließ sich erfreut auf seinen Sitz nieder. In diesem Augenblick wurden vier Räuber herbeigebracht; von diesen verurteilte der Vater den einen zu tausend Hieben mit dornenbesetzten Peitschen, den andern zur Fesselung und Aufbewahrung im Gefängnis, den dritten dazu, dass sein Körper mit Spießen zerstochen werde, den vierten zur Pfählung. Da bekommt Siddharta, der schon von Natur ängstlich ist, noch mehr Furcht: „Meine Vorfahren taten grausame, die Hölle verdienende Taten. Wenn ich meinen Vorfahren, meinem Vater, folge und deren Leben weiter so lebe, werde ich in der Hölle wiedergeboren werden und schweres Leid erdulden.“ Als er so überlegte, befiel ihn noch größere Furcht. Sein goldfarbener Körper wurde missfarbig und welk wie eine Lotosblume, die man mit der Hand berührt.

Angst und Zweifel haben Siddharta als Wohnung genommen, indem sie seine Gedanken so lenken:

„Zu vertrocknen und zu sterben ist besser für mich als auf den Thron zu kommen. Wie kann ich mich wohl aus diesem Räuberhause befreien?“ [14]

Von nun an stellt sich der junge Siddharta – zumindest zeitweise – taub und stumm [15] gegenüber Vergnügungen und Sinnesfreuden des Palastes. Mit kritischer Gründlichkeit [16] untersucht er stattdessen die Bedingungen seines Lebens.

Wie genau er auch beobachtet, wie unterschiedlich er seine Experimente anordnet und die Gelehrten seiner Zeit fragt [17], er stellt als Tatsache fest:

"Ich selbst, wie mein Vater und meine Mutter, meine Ehefrau und alle Kinder sind der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Tod und dem Kummer unterworfen. Mägde und Knechte, Ziegen und Schafe, Geflügel und Schweine, Elefanten, Rinder, Pferde, Gold und Silber – kurz: alles Zusammengesetzte –  sind der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Tod und dem Kummer unterworfen." [18]

Es ist, so folgert Siddharta, unmöglich, Sicherheit in diesen zusammengesetzten Phänomenen zu finden:

"Es ist ausgeschlossen, dass ich hier, in meinem behüteten Leben, Sicherheit finde. Es ist ausgeschlossen, dass ich in den Dingen Sicherheit finde. Es ist ausgeschlossen, dass ich Sicherheit finde, wenn ich meinem Vater als Herrscher und Regent folge…" [19]

und er lenkt seine Gedanken in die Gegenrichtung:

Weil ich die Gefahr in dem, was der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Tod und dem Kummer unterworfen ist, erkannt habe [20], muss ich das Ende der Welt, ihr Gegenteil, erreichen – dort, wo man nicht geboren wird, nicht altert, nicht stirbt, kein früheres Dasein verlässt, zu keinem neuen Dasein gelangt." [21]

„Es gibt einen schmalen, sicheren, hinüberführenden, alten Weg zur Erlösung. Auf ihm ziehen die Weisen, die Brahmakenner zum Himmel empor, zur Freiheit vom Leiden."

Brihadaranyaka-Upanishad

Der Archetyp des Mönches war Prinz Siddharta bekannt, aus den Upanishaden und Brahmanas der Spätveden [22] und den eigenen Begegnungen [23]. Ganz bestimmt hat er als Kind und Jugendlicher sogenannte Samanas in der Stadt Kapilavastu getroffen. Die Samanas hatten allen Besitz aufgegeben, wanderten umher, lebten von Almosen und suchten die Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburten.

Siddharta stellte sich vor, wie es wäre, wenn er selbst diesen Weg der Samanas zur Suche wählen würde:

"Das Leben eines Haushälters ist eng und staubig; das Leben in der Hauslosigkeit ist weit und offen. Während man zu Hause wohnt, ist es nicht leicht, das heilige Leben zu führen, das zutiefst vollkommen und rein ist, wie eine polierte Muschel. Angenommen, ich rasiere mir das Kopfhaar und den Bart ab, ziehe die gelbe Robe an und ziehe vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit." [24]

Es mag Jahre gedauert haben, in denen Siddharta mit diesen Fragen gekämpft hat – in der Vorstellung, wie es wäre, wenn…

Vielleicht ist es kein Zufall, dass er mit seiner "Welt-Flucht" gewartet hat, bis er seiner Familie einen Sohn und Nachfolger gezeugt hatte. Vielleicht ist es umgekehrt kein Zufall, dass die Ehe mit Yasodhara dreizehn Jahre kinderlos geblieben war? Die Erzählungen geben jedenfalls viele Hinweise, dass die Geburt seines Sohnes, den er Rahula (Fessel) nannte, in engem zeitlichen Zusammenhang mit seinem Aufbruch in die Hauslosigkeit stand.

Viele Jahre später, als er der Buddha geworden war, beschreibt er den Moment des Aufbruchs nüchtern:

„Auf der Suche nach dem höchsten Zustand erhabenen Friedens, rasierte ich mir Kopf- und Barthaar ab, zog die gelbe Robe an und ging von zu Hause fort in die Hauslosigkeit, obwohl meine Mutter und mein Vater das nicht wünschten und mit tränenüberströmtem Gesicht weinten." [25]

Siddharta Gautama

Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob sich der Aufbruch des Siddharta in die Hauslosigkeit so zugetragen hat, wie im Jataka geschildert: Heimlich und in der Nacht. Anzunehmen ist, dass Siddharta seinen Wunsch mit seiner Familie besprochen hatte – und dass er mit seinem Weggang großes Leid verursachte. Aus den Sutren wissen wir, dass nicht nur seine Eltern "mit tränenüberströmten Gesicht weinten", sondern dass in Familie, bei Freunden und im Volk Unverständnis, Wut und Vorwürfe laut wurden [26]:

Siddhartas Mutter klagte:
„Ein Unglück war’s für mich, dass ich deine Mutter bin [§4]
dass ich dir das Leben gab,
weil du auf meine Klagen
nicht Rücksicht nehmend […] die Welt verlässt." [§5]

Sein Vater sagte:
„Was ist dies für eine Tugend
und was für eine Weltflucht […],
dass du auf uns zwei Alten
nicht Rücksicht nehmend, […] die Welt verlässt?“ . [§6]

und er ermahnt Siddharta, an sein Kind zu denken:

„Du hast Söhne auch
in zartem Alter, nicht erwachsen;
wenn diese Lieben dich nicht sehen,
befällt sie, glaub ich, großes Leid.“ [§7]

Seine Ehefrau sagte:
„Ein Unglück war’s für mich,
[…], dass ich deine Gattin wurde,
weil du auf meine Klagen
nicht Rücksicht nehmend, […] die Welt verlässt. [§11]

Alle – Familie, Freunde und Volk – stellen die gleiche Frage:

„Ist denn dein Herz dir ganz gespalten
oder hast du zu uns kein Mitleid,
dass du auf uns, die Weinenden,
nicht Rücksicht nehmend, […] die Welt verlässt?“. [§9]

Des Buddhas Antwort klingt herzlos, obwohl er Mitgefühl beteuert:

„Nicht ist mein Herz mir ganz gespalten
und Mitleid fühl ich gegen euch;
doch da ich nach dem Himmel strebe,
darum will ich die Welt verlassen.“ [§10]

und er legt nach:

„Von diesem meinen Kinde auch,
dem schönen, und auch von euch allen
muss ich mich ja doch später trennen.“ [§8]

Seine Freunde und Vertrauten fassen die Gefühle aller Zurückgelassenen zusammen:

„Was sagst du da so Sonderbares?
Du stößt uns einen Speer ins Herz." [§2]

Stellvertretend für alle, die diesen Speer im Herzen fühlen, ist es das edle weiße Pferd des Siddharta, das tödlich getroffen ist vom Weggang des Siddharta: der Hengst, Kanthaka, geht außer Sehweite, und da er seinen Kummer nicht zu ertragen vermag, bricht ihm das Herz und er stirbt. [27]

„Die Welt verließ [Prinz Siddharta]
und gab auf dieses Reich;
mit gelben Kleidern angetan
wandelt er einsam wie ein Elefant.“ [11]

Das Sakya-Volk, nach der Weltflucht des Siddharta

Wenn sich die Vorstellung des Suddhodana auch auf ein völlig anderes geografisches Weltbild [28] als das heutige bezog, so ist es doch erstaunlich, dass sich sein Wunsch 2500 Jahre später erfüllt hat: „Ich möchte meinen Sohn sehen, wie er über die von zweitausend Inseln umgebenen vier Erdteile die Herrschaft, die Gewalt, die Regierung ausübt…“ Müssen wir körperlich Haus, Hof und Familie [29] – manchmal unseren Kontinent – verlassen, um über den Kontinent, der wir selber sind, die freie Herrschaft auszuüben? Wenn wir die Geschichtsbücher lesen: einige Menschen müssen körperlich die Heimat verlassen, einige müssen es nicht. Jeder jedoch muss zum Ende des Kosmos reisen. Der Buddha, als er gefragt wurde, ob man durch Reisen zur Befreiung gelangen könnte, antwortete: „Ich sage Euch, Freund, daß es nicht mit Reisen möglich ist, das ferne Ende des Kosmos, wo man keine Geburt, Alter, Tod, Dahinscheiden oder Wiedererscheinen annimmt, zu sehen oder zu erreichen. Aber zur selben Zeit, sage ich Euch, daß da kein Endemachen des Leidens, ohne das Erreichen des Ende des Kosmos, ist. Doch ist es genau innerhalb dieses klafterlangen Körpers, mit seiner Vorstellung und Verstand, daß ich erkläre, dort ist der Kosmos, der Ursprung des Kosmos, die Beendigung des Kosmos, und der Pfad der Ausübung, die zur Beendigung des Kosmos führt." [30] Meister Dogen beschreibt die Reise so: „Als Siddharta über die Stadtmauer kletterte und in die Berge ging, gab er einen Geist auf und ging in einen anderen Geist hinein. Wenn ihr diesen Geist zu euren Augäpfeln macht, leiht ihr euch den Atem der Buddhas und Patriarchen und drückt allen Dharmas das Siegel der lebendigen Erfahrung auf." [31] Freunde, Sangha – lasst uns gemeinsam reisen, die Stadtmauern überklettern, den Atem der Buddhas atmen und unsere lebendige Erfahrung besiegeln…

[1] Jataka 525 | Culla-Sutasoma-jātaka | The Jātaka-tales are a voluminous body of literature native to India concerning the previous births of Gautama Buddha in both human and animal form. The future Buddha may appear as a king, an outcast, a god, an elephant—but, in whatever form, he exhibits some virtue that the tale thereby inculcates. Often, Jātaka tales include an extensive cast of characters who interact and get into various kinds of trouble – whereupon the Buddha character intervenes to resolve all the problems and bring about a happy ending. In Theravada Buddhism, the Jātakas are a textual division of the Pāli Canon, included in the Khuddaka Nikaya of the Sutta Pitaka ⓘ. | Wikipedia |  ↑
[2] Jataka Avidurenidana – Introduction to the Jataka | §6 – The Great Retirement | Buddhism in Translations: Passages Selected from the Buddhist Sacred Books and Translated from the Original Pāli into English by Henry Clarke Warren. Origianlly Published by Harvard University Press 1896 |   ↑
[3] ibid. |  ↑
[4] ibid. (Jataka – The Great Retirement): Now the Mahā-Brahma god, Ghatīkāra, who had been a friend of his in the time of the Buddha Kassapa, and whose affection for him had not grown old in the long interval. since that Buddha, thought to himself, – "Today my friend has gone forth on the Great Retirement. I will bring him the requisites of a monk." "Robes, three in all, the bowl for alms, The razor, needle, and the belt, And water-strainer, – just these eight Are needed by the ecstatic monk." Taking the above eight requisites of a monk, he gave them to him. |  ↑
[5] ibid |  ↑
[6] ebd. § 271 | Mara is the opponent of Siddharta and the future Buddha Shakyamuni as the principle of the "tempter" and the embodiment of "what causes suffering". Here Mara appears with the attempt to persuade Siddharta to repent: At this moment came Māra, with the intention of persuading the Future Buddha to turn back; and standing in the air, he said,- "Sir, go not forth! For on the seventh day from now the wheel of empire will appear to you, and you shall rule over the four great continents and their two thousand attendant isles. Sir, turn back!" "Māra, I knew that the wheel of empire was on the point of appearing to me; but I do not wish for sovereignty. I am about to cause the ten thousand worlds to thunder with my becoming a Buddha." "I shall catch you," thought Māra, "the very first time you have a lustful, malicious, or unkind thought." And, like an ever-present shadow, he followed after, ever on the watch for some slip. |  ↑
[7] Jataka 525 – J 525 [Culla-Sutasoma-jataka] | "[Siddharta] sad to tell, Has left his throne for hermit cell, And, clad in yellow, goes his way Like some lone elephant astray." |   ↑
[8] Jataka Avidurenidana – Introduction to the Jataka | §6 – The Great Retirement | Now the king, in order that the Future Buddha should not at any time go out of the city without his knowledge, had caused each of the two leaves of the gate to be made so heavy as to need a thousand men to move it. But the Future Buddha had a vigor and a strength that was equal, when reckoned in elephant-power, to the strength of ten thousand million elephants, and, reckoned in man-power, to the strength of a hundred thousand million men […, however,] a divinity that inhabited the gate opened it for Siddharte [so he did not need to apply his powers]… |   ↑
[9] We often encounter the motif of the refusal of return and not looking back in consideration as a sign of the determination of the Siddharta in the early texts. In the Introduction to the Jataka (The Great Retirement) we read: "And when he had gone out from the city, he became desirous of looking back at it; but no sooner had the thought arisen in his mind, than the broad earth, seeming to fear lest the Great Being might neglect to perform the act of looking back, split and turned round like a potter’s wheel."  Jataka Avidurenidana – Introduction to the Jataka | §6 – The Great Retirement | In Cullasutasoma-Jataka, Siddharta denies any consideration to his relatives and friends: Such random words as these in uttering Thou mak’st an arrow quiver in my heart… For heedless of my tears and bitter cry, Thou art resolved, O king, a monk to be. Siddharta answers: My heart in sorrow may not break, Though I feel pity for your pain, But holy orders I must take, That I may heavenly bliss attain. Jataka 525 – (Culla-Sutasoma-jataka) |   ↑
[10] Wikipedia: Siddharta Gautama | Gautama bzw. Gotama bedeutet „Anführer der Herde“ oder auch „größter Stier“. Der Name war aber auch vergleichbar mit unseren Familiennamen – er zeigte die Zugehörigkeit zur Gautama-Sippe an (Sanskrit: Gautama gotra, Pali: Gotama gotta), deren Angehörige alle so angeredet werden konnten. |   ↑
[11] Hans Wolfgang Schumann, Der historische Buddha. Leben und Lehre des Gotama, Diederichs gelbe Reihe 73, 7. Auflage, München 1999, S. 31 f. | Eine Vorstellung von der Größe der von Suddhodana verwalteten Re­publik vermittelt uns der Chinese Hsüan-tsang. Das Sakiya-Gebiet, so schreibt er, habe einen Umfang von 4000 Li = etwa 1880 km gehabt und zehn – von unserem Reisenden im 7. Jh. n. Chr. zerstört und ver­lassen vorgefundene – Städte eingeschlossen. Die Stadt Kapilavatthu sei durch eine in den Ziegelfundamenten noch erhaltene Mauer von 15 Li = ca. 7 km Länge geschützt gewesen. Offenbar sind diese zehn Städte weitgehend identisch mit jenen neun, die in den buddhistischen Texten als Sakiya-Städte erwähnt werden, nämlich außer Kapilavatthu: Devadaha, Catuma, Samagama, Khomadussa, Silavati, Medatalumpa, Ulumpa und Sakkara. Es dürfte sich um Kreisstädte gehandelt haben, die jeweils einer Anzahl von Dörfern als Markt- und Um­schlagplatz dienten. Hsüan-tsangs Angaben erlauben uns, wenn auch nur sehr grob, Rückschlüsse auf Areal und Bevölkerung der Sakiya-Republik zu ziehen. Ihre Grundfläche mag etwa 2000 qkm betragen haben, von denen ein erheblicher Teil Dschungel und landwirtschaftlich ungenutzt war. Nehmen wir für den fruchtbaren Landstrich des Zentral-Tarai rückschließend von der heutigen, höher liegenden Zahl – eine durchschnittliche Wohndichte von 90 Einwohnern pro km2 an, ergibt dies eine Gesamtbevölkerung von 180000 Menschen, wovon 8000 in Kapilavatthu und je 4000 in den acht (oder neun) Kreisstädten beheimatet gewesen sein mögen. Rund 40000 Menschen der Sakiya-Republik wä­ren demnach Stadt-, die übrigen 140000 Dorfbewohner gewesen. Zum Kriegeradel mögen sich 10000 Personen gezählt haben, die weitgehend in den Städten lebten, gleich der Mehrheit der Bevölkerung aber der Landwirtschaft nachgingen. |   ↑
[12] Jataka Avidurenidana – Die nicht ferne Einleitung | J b2.04 – Die Namengebung §270 | „Ich möchte meinen Sohn sehen, wie er über die von zweitausend Inseln umgebenen vier Erdteile die Herrschaft, die Gewalt, die Regierung ausübt und wie er von einem sechsunddreißig Yojanas im Umkreis bedeckenden Gefolge umgeben unter der Fläche des Himmels wandelt.“ |   ↑
[15] ebd. |  ↑

[16] Hans Wolfgang Schumann, Der historische Buddha. Leben und Lehre des Gotama, Diederichs gelbe Reihe 73, 7. Auflage, München 1999, S. 35 f.: Ob Siddhartha zu den Lesekundigen gehörte, ist fraglich. Zwar behauptet eine späte Legende, er habe seinen Lehrer durch die Leichtigkeit verblüfft, mit der er die indischen Alphabete beherrschen lernte, – Tatsache ist aber, daß der Päli-Kanon keinen Hinweis enthält, daß der Buddha des Lesens mächtig war. Lesen zu können wurde zu seiner Zeit als nützliche, indes nicht zur Elementarbildung gehörige Fertigkeit betrachtet, zumal es in Ermanglung geeigneten Schreibmaterials noch keine niedergeschriebenen Bücher gab[…]. Die Einstellung des erwachsenen Siddhattha zu der Frage wird aus seiner Weisung an den Orden deutlich, daß sich für einen Mönch die Ausübung von Fertigkeiten wie u.a. des Schreibens nicht gezieme; der Mönch habe allein auf Erlösung bedacht zu sein (Udana 3,9: "Wer ohne eine Kunst auszuüben dahinlebt, ohne Last, auf sein Heil bedacht, ein in jeder Hinsicht erlöster Sinnenzügler), – der heimlos Lebende, dem nichts angehört, der Wunschfreie, der, nachdem er Mára geschlagen hat, allein wandelt, – der ist ein Mönch." [UDANA – Das Buch der feierlichen Worte des Erhabenen. Eine kanonische Schrift des Páli-Buddhismus. In erstmaliger deutscher Uebersetzung aus dem Urtext von DR. KARL SEIDENSTÜCKER].
Aus Siddhatthas lebenslangem Interesse an geistigen und geistlichen Dingen darf man schließen, daß ihm die Aneignung des für einen Khattiya-Sproß wichtigen Lernstoffes wenig Mühe bereitete. Sehr geför­dert wurde seine Ausbildung durch häufige Anwesenheit bei Ratssit­zungen und Gerichtsverhandlungen, bei denen sein Vater präsidierte. Die Ratshalle schulte Siddhatthas Intelligenz und erzog ihn zu Ge­wandtheit und Präzision des Ausdrucks.
Mit seiner geistigen Entwicklung parallel ging freilich die Entfaltung von Charaktereigenschaften, die seinen realistisch denkenden Vater beunruhigt und als vermeintliche Schwächezeichen befremdet haben mögen, nämlich Empfindsamkeit und ein Hang zur Reflexion, vielleicht Grübelei. Die Einsicht, daß das Leben nicht immer erfreulich ist und hinter allem Glück (sukha) Vergänglichkeit und Leid (dukkha) lauern, kam Siddhattha nicht erst kurz vor seinem Auszug in die Hauslosigkeit, wie die Legende uns glauben machen will, sondern überfiel ihn bereits als Jugendlichen, als er, frei von äußeren Sorgen, noch in der Obhut der Familie lebte.

Der zum Buddha gewordene Siddharta berichtet von dieser Zeit im Anguttara Nikaya 3.38 – Sukhamala Sutta: Vornehmheit:
Auch wenn ich mit solch einem Glück bestückt war, solch völliger Vornehmheit, kam dieser Gedanke in mir auf: ‘Wenn ein Ununterrichteter, Allerweltsmensch, selbst dem Tod unterworfen, den Tod nicht überwunden, andere tot sieht, ist er entsetzt, gedemütigt und angewidert, vergesslich gegenüber sich selbst, daß auch er dem Tod unterworfen ist, den Tod nicht überwunden hat. Wenn ich, der ich dem Tod unterworfen bin, über den Tod nicht hinaus, entsetzt, gedemütigt und angewidert wäre, würde das für mich nicht passen’ Als ich das bemerkte, fiel die [typische] Berauschtheit einer Person am Leben, gänzlich von mir ab. |  ↑

[17] Der Buddha hatte vor seiner Erleuchtung fünferlei Lehrer, so heißt es im Milandaphana 4.6.1 (Die Fragen des Milinda): Jene acht Brahmanen, o König, die bei dem eben geborenen Bodhisatta die körperlichen Merkmale untersuchten – als wie Kāma, Dhaja, Lakkhana, Mantī, Yañña, Suyāma, Subhoja und Sudatta – und die über sein Wohlergehen berichteten und seine Überwachung übernahmen: diese waren seine ersten Lehrer.
Fernerhin: der Brahmana Sabbamitta, der aus edlem, vornehmen Geschlechte stammte und ein Sprachkundiger war, ein Grammatiker, in den sechs Hilfsbüchern des Veda bewandert, den des Bodhisattas Vater Suddhodana zu jener Zeit holen ließ und, während man das Weihwasser aus einem goldenen Gefäße ausgoß, dem Knaben als Lehrer übergab: dieser war sein zweiter Lehrer.
Jene Gottheit fernerhin, die den Bodhisatta in Unruhe brachte und deren Worte vernehmend, der Bodhisatta in Unruhe und Erregung geraten, in jenem Augenblicke hinauszog und dem Weltleben entsagte: diese war sein dritter Lehrer.
Fernerhin – nach dem Aufbruch in die Hauslosigkeit: Alāra Kālāma, der ihm den Weg zum meditativen Gebiet der Weder-Wahrnehmung-noch-Nicht-Wahrnehmung (siehe jhāna) wies: dieser war sein vierter Lehrer.
Sein fünfter Lehrer aber war Uddaka Rāmaputta.

Wir zählen diesem Bericht nach 10 Lehrer bevor der Buddha in die Hauslosigkeit ging. |  ↑

[19] Dem Sinne nach z.B. Anguttara Nikaya 3.38; Majjhima Nikaya 36; Jataka 525, oder Jataka 538 |  ↑

[22] Der Brahmana Sabamitta, in den Veden bewandert, war einer von Siddhartas frühesten Lehrern (vgl. Fußnote 17 und hier: Milandaphana 4.6.1 (Die Fragen des Milinda)). Von Sabamitta wird Siddharta auch das Brihadaranyaka-Upanishad (siehe auch hier) gekannt haben, in dem es heißt: Es gibt einen schmalen, sicheren, hinüberführenden, alten Weg…, den ich gefunden habe. Auf ihm ziehen die Weisen, die Brahmakenner zum Himmel empor, zur Erlösung.
Auf ihm, sagt man, ist Weißes, Blaues, Gelbes, Grünes, Rotes. Das ist der Weg, der durch das Brahman gefunden ist; auf ihm geht der Kenner des Brahman gluterfüllt und fromme Werke tuend.
|  ↑

[23] In den Jatakas wird die Begegnung mit einem Mönch so geschildert: Als nun der Bodhisattva an einem anderen Tage nach dem Parke fuhr, sah er einen von den Gottheiten geschaffenen Mönch, der in richtiger Weise oben und unten bekleidet war, und er fragte den Wagenlenker: „Wer ist das, Lieber?“ Nun kannte der Wagenlenker, weil es ja noch keinen Buddha gab, einen Mönch und die Vorzüge des Mönchtums allerdings nicht; aber auf Eingebung der Götter sagte er: „Es ist ein Mönch, o Fürst“, und pries die Vorzüge des Mönchtums. Der Bodhisattva fand Gefallen an der Weltflucht… Jataka Avidurenidana – Die nicht ferne Einleitung | J b2.06 – Die Weltflucht §271 Siddharta wuchs im 6. Jahrhundert v.Chr. auf im Spannungsfeld des einerseits alten traditionellen vedisch-brahmanischen Opferkults und andererseits den unterschiedlichen emanzipatorischen Bewegungen wie den Aupanisadas, Materialisten, Asketen und Wandermendikanten auf. Den größten Zulauf hatten die Samanas, die sich dem Brahmanentum, der Autorität der Veden sowie dem Kastenwesen widersetzte und die Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburten (moksha) abseits von diesen Institutionen suchte. Zahlreiche Asketen zogen hinaus in die Wälder, um dort zu meditieren und im Zuge ihrer Weltentsagung aus eigener Kraft die Befreiung aus dem Samsara zu erlangen. Auf diese Weise bildeten sich Gruppierungen mit einer teilweise beachtlichen Anhängerschaft, die ihre Lehren als aufklärerischen Gegenentwurf zum etablierten Brahmanismus verstanden. Siddhartha gewann seine Überzeugungen aus dem Kontakt mit all diesen Gruppierungen. (vgl. Wikipedia). |  ↑
[26] Besonders eindringlich sind die Ereignisse in der "kleinen Erzählung von Sutasoma" (Cullasutasoma-Jataka) beschrieben, der die folgenden Verse entnommen sind. Zwar erzählt der Buddha eine Geschichte aus einem früheren Leben, aber er beendet seine Rede mit den Worten: Damals waren die Eltern Angehörige der Großkönigsfamilie, Canda war Rāhulas Mutter, der älteste Sohn war Sariputta, der jüngste Sohn war Rāhula, die Amme war Khujjuttara, der Großkaufmann Kulavaddhana war Kassapa, der Haupt-Heerführer war Mogallana, der Prinz Somadatta war Ananda, der König Sutasoma aber war ich. Die Paragrafen beziehen sich auf diese Übersetzung: Die kleine Erzählung von Sutasoma, Jataka 525 |  ↑
[28] Im Laufe der Jahrhunderte der vedischen Zeit wurden die Kosmologien immer komplexer. Die Grundstruktur des Kosmos blieb jedoch mehr oder weniger gleich. Sowohl der Hinduismus als auch der Buddhismus teilen das Konzept der Mittelachse oder des Weltberges Mount Meru in Sanskrit, Sumeru in Pali. Diese ist an den vier Himmelsrichtungen von vier Kontinenten umgeben, von denen einer von Menschen bewohnt ist. Das Universum, das durch den Berg Meru vertikal verbunden ist, ist in drei übereinanderliegende Ebenen unterteilt. Die Unterwelt und die Höllen bilden die unterste Ebene, die Welt der Menschen die mittlere Ebene und die der Himmel die höchste. Alle diese Ebenen sind in der Regel in mehrere Unterebenen unterteilt. |  ↑
[29] An dieser Stelle ist ein wichtiges Detail erwähnenswert: Der Buddha selber hatte seine Familie verlassen – gegen den Widerstand seiner Eltern. Wissend, welchen Schmerz er selber verursacht hatte (und welche zerstörerischen wirtschaftlichen Folgen der Weggang eines Ernährers in die Hauslosigkeit haben konnte), erlaubte eine Ordination in seinen Sangha nur, wenn der Kandidat eine Erlaubnis seiner Eltern vorweisen konnte: "Hast du die Erlaubnis von deinen Eltern erhalten, Raṭṭhapāla, vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit zu ziehen?" "Nein, ehrwürdiger Herr, ich habe die Erlaubnis von meinen Eltern nicht erhalten." "Raṭṭhapāla, Tathāgatas geben niemandem die Erlaubnis, in die Hauslosigkeit zu ziehen, der die Erlaubnis seiner Eltern nicht erhalten hat." (Majjhima Nikaya 82, 6) und auch in den Vinya: "Hast du die Erlaubnis deiner Eltern?" Anwärter: "Ich habe, Ehrwürdiger Herr!" PATIMOKKHA- Upasampadakamman – Die Handlung der Hochordination, Absatz 11 |  ↑
[31] Meister Dogen: Shobogenzo. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges. Heidelberg-Leimen, 2003. Kapitel Shinjin gakudo, Band 2. S.281 |  ↑
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